Familie Feiner

Ein Beitrag eines Schülers der MSS11

Im folgenden Text wird die Geschichte der Familie Feiner dargestellt, welche Opfer der Verfolgung durch die Nationalsozialisten war. Die Familie Feiner war eine jüdische Familie, welche in Nackenheim, später Mainz, zur Zeit der NS-Diktatur lebten. Der 56-jährige Vater Josef Feiner, welcher in Nackenheim geboren wurde, die 53 Jahre alte Mutter Amalie Feiner und deren 17-jährige Tochter Ruth Feiner wurden 1942 aus Mainz deportiert und später ermordet. Amalie Feiner, geboren am 12.Juli in Elsdorf im Rheinland war eine selbstständige Frau mit einem Hutgeschäft, was sie als Modistin, oder früher auch „Putzmacherin“ genannt, führte. Ihr Mann Josef Feiner wurde am 20. November 1886 in Nackenheim geboren, er kämpfte im Ersten Weltkrieg als Soldat und arbeitete danach als Herrenschneider in einer führenden Stelle in Mainz. Ruth Feiner wurde am 12. Mai 1925 in Mainz geboren. In Folge der „Machtübernahme“ durch die Nationalsozialisten verloren viele Juden ihre Existenzgrundlagen, so auch die Familie Feiner. Angesichts der „Arisierung“ der Herrenkleiderfabrik, in der Josef Feiner arbeitete, und des Gesetzes, das Juden ihre Geschäfte nicht mehr führen durften, hatten Amalie und Josef beide ihre Arbeitsplätze verloren, weshalb sie ihr Haus verkaufen mussten und somit aus der Colmarstraße 14 in die Kaiserstraße 11 zogen. Dort lebten sie für kurze Zeit, bis sie schließlich gezwungenermaßen in die Kaiserstraße 32 umziehen mussten.

Der Umzugsweg der Familie Feiner in Mainz.
Quelle: Eigener Entwurf mit Nutzung von „OpenStreetMap“

Ab 1937/38 war der Besuch einer Schule für Ruth Feiner wahrscheinlich nicht mehr möglich, da ihr dies als Jüdin verweigert wurde. Anhand der Kennkarten, welche im Jahr 1939 für Ruth ausgestellt wurde, lässt sich schließen, dass sie zu diesem Zeitpunkt 13 Jahre alt war und eine jüdischen Bezirksschule besuchte. Da sie keinen Beruf nach der Schule erlernen konnte wurde sie wahrscheinlich von ihren Eltern im Nähen unterrichtet. Dies begründet auch die Tatsache, dass bei ihr auf der Deportationsliste der Beruf Schneiderin angegeben wurde (Quelle: StA Mainz, Nachlass Oppenheim).

Quelle: Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland; Archivaliensammlung Frankfurt: Abteilung IV: Kennkarten, Mainz 1939.

1942 wurde die Familie Feiner dann mit 500 anderen Mainzer Juden und anderen Verfolgten nach Darmstadt gebracht, von wo aus sie am 25. März 1942 nach Piaski bei Lublin in Polen deportiert wurden. Dort wurde dann die Familie Feiner ermordet. Die Familie Feiner war Opfer der Nationalsozialisten, welche bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges bis zu 6 Millionen Juden umbrachten. Heutzutage ist nicht mehr viel übrig, was an die Familie Feiner erinnert, da es keine Nachkommen in Deutschland gibt. In der Colmarstraße 14 sind jedoch mehrere Stolpersteine zu finden, die an die Familie erinnern und an das, was mit ihnen passiert ist.

Stammbaum der Familie Feiner

Quelle: Eigener Entwurf auf Basis von Archivfunden

Ergänzender Hinweis: Josef Feiner, Maria Heumann (geb. Feiner) und Rosa Hirschberg (geb. Feiner) hatten eine weitere in Nackenheim geborene Schwester, Betty. Betty B. wurde 1888 als zweites Kind und älteste Tochter der Familie Feiner in Nackenheim geboren, ist jedoch bereits zu einem früheren Zeitpunkt als ihre Geschwister in die USA ausgewandert. Sie starb in den 1960er Jahren in Las Vegas/Nevada. (Quelle: Landesamt für Finanzen, Amt für Wiedergutmachung. AZ: VA 12767.).


In einem 1954 von den Schwestern Josef Feiners gestellten Antrag auf Wiedergutmachung findet sich folgender Bericht:

Quelle: Landesamt für Finanzen, Amt für Wiedergutmachung. AZ: VA 12767. Die Tilgungen wurden vom Amt für Wiedergutmachung vorgenommen.

Nachtrag mit aktualisierten Rechercheergebnissen von Henri Bick (2025):

Die Geschichte der jüdischen Familie Feiner in Nackenheim beginnt wahrscheinlich in den 1880er Jahren. Am 7. Oktober 1885 heirateten hier Moritz Feiner und Henriette Hirsch, beide waren jüdisch. Moritz Feiner stammte aus Piaski Wielkie, einem Städtchen, das heute Teil Krakaus ist. Henriette Hirsch war in Schornsheim geboren, wohnte mit ihrer Familie aber bereits länger in Nackenheim, im Haus Im Winkel 5. Moritz Feiner war im Gewerberegister eingetragen als Häutehändler, Kurzwarenkrämer, Regenschirmhändler, Mäkler mit Immobilien und mit Landesprodukten und Tabakskrämer. Moritz und Henriette Feiner hatten fünf Kinder: Josef, Barbara, Sigmund, Maria und Rosa. Die Familie lebte in der Fischergasse 3, im Jahr 1899 kaufte sie das Haus Mainzer Straße 6. An dieser Stelle soll es um den ältesten Sohn Josef und dessen Familie gehen. Josef Feiner kam am 20. November 1886 in Nackenheim zur Welt. Seit 1911 arbeitete er als Kaufmann in einer Mainzer Herrenkleiderfabrik, später in führender Position. Er kämpfte im Ersten Weltkrieg. Am 2. Juli 1924 heiratete er in Nackenheim die Modistin Amalie Meyer. Sie war am 12. Juli 1889 in Elsdorf im Rheinland geboren und führte in Mainz ein Hutgeschäft, dort lebte sie in der Schießgartenstraße 9. Mit der Hochzeit zog auch Josef Feiner von Nackenheim nach Mainz. Am 12. Mai 1925 kam dort die gemeinsame Tochter Ruth zur Welt. Die Familie wohnte in der Colmarstraße 14. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme verloren viele Jüdinnen und Juden ihre Existenzgrundlagen, so auch die Familie Feiner. Die Herrenkleiderfabrik, in der Josef Feiner arbeitete, wurde „arisiert“ und auch Amalie musste ihr Geschäft aufgeben. Die Familie war gezwungen, ihr Haus in der Colmarstraße zu verkaufen und zog in die Kaiserstraße 11. Dort lebten sie kurze Zeit, bis sie in die Kaiserstraße 32 umziehen mussten. Ab 1937/38 war der reguläre Schulbesuch für Ruth Feiner als Jüdin wohl nicht mehr möglich. Wahrscheinlich wurde sie von ihren Eltern zur Schneiderin ausgebildet. Im Frühjahr 1942 wurde die Familie Feiner mit 467 anderen Mainzer Jüdinnen und Juden und weiteren Verfolgten nach Darmstadt deportiert. Von dort deportierten die Nationalsozialisten sie am 25. März 1942 ins polnische Piaski und ermordeten sie schließlich.

In der Colmarstraße in Mainz sind bereits Stolpersteine zu finden, die an Josef, Amalie und Ruth Feiner erinnern. Mit der Verlegung in der Mainzer Straße 6 in Nackenheim finden sich nun an einem gemeinsamen Ort die Stolpersteine der geflüchteten und ermordeten Geschwister Josef Feiners und ihrer Angehörigen.

Quellen:

  • Rede Joan Salomons zur Verlegung der Stolpersteine der Familie Feiner am 09. Mai 2018. Wir danken dem Verein für Sozialgeschichte Mainz für die freundliche Zurverfügungstellung der Rede in ihrer deutschen Übersetzung.
  • Landesamt für Finanzen, Amt für Wiedergutmachung; 
    AZ: VA 12767.
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Mainz-Neustadt