Projekt Stolpersteine

„Der Gemeinderat spricht sich dafür aus, das Thema Stolpersteine im Rahmen einer Projektarbeit zusammen mit dem Gymnasium Nackenheim untersuchen zu lassen. Die Ergebnisse des Projekts und die Möglichkeiten der Umsetzung sollen nach Abschluss der Untersuchungen dem Gemeinderat vorgestellt werden“.

Einstimmig angenommener Gemeinderatsbeschluss vom 17. März 2021


Bereits erfolgte Stolperstein-Verlegungen in der Region
Quelle: OpenStreetMap.org (eigene Bearbeitung)

Nackenheim ist einer der wenigen Orte der Region Rheinhessens, in denen sich bis heute im öffentlichen Raum keine Stolpersteine und auch sonst kaum sichtbare Spuren jüdischer Geschichte oder Erinnerungsorte an Ausgrenzung, Diskriminierung und Verfolgung in der Zeit des Nationalsozialismus finden.

Mit einem gemeinsam von Herrn Kasper (Bodenheim) und dem Gymnasium Nackenheim initiierten Gemeinderatsbeschluss vom 17. März 2021 ist der erste Schritt des „Projekts Stolpersteine“ angestoßen. Im Kontext des Projekts wurde im Herbst 2021 ein Arbeitskreis gegründet werden, zu dem Interessierte gerne zustoßen können.

Unterstützt wird das Vorhaben seitens des Ortsbürgermeisters René Adler, von Seiten des Ortsmuseums Nackenheim sowie von den örtlichen Kirchengemeinden.

Der „Arbeitskreis Stolpersteine“ empfiehlt nach ausführlichen Archivrecherchen, der Befragung von ZeitzeugInnen, HeimatforscherInnen und der Verankerung in einem Geschichtsprojekt am Gymmnasium Nackenheim die Verlegung von 21 Stolpersteinen in Nackenheim.  

Die Stolpersteine sollen auf den öffentlichen Bürgersteigen vor ehemaligen Wohn- und Geburtsorten an die während der NS-Diktatur aus verschiedensten Gründen verfolgten, ausgegrenzten und ermordeten Einzelpersonen wie Familien erinnern. In den Fällen, in denen die Geburts-, bzw. Wohnorte nicht zweifelsfrei nachvollzogen werden können, wird empfohlen, die Stolpersteine am Rathaus zu verlegen.   

Die Empfehlung zur Verlegung von Stolpersteinen entspricht dem aktuellen Stand der Recherchen des Arbeitskreises, was eine perspektivische Erweiterung nicht ausschließt.  ​

Empfehlung des „Arbeitskreises Stolpersteine“, vorgestellt auf der Gemeinderatssitzung am 21. März 2022

Mit einem einstimmig angenommenen Gemeinderatsbeschluss vom März 2022 wurde einer Stolpersteinverlegung in Nackenheim zugestimmt, die voraussichtlich im Sommer 2023 umgesetzt wird. Dabei sollen 19 Stolpersteine an drei Standorten in Erinnerung an die jüdischen Familien Wolff, Heumann, Hirschberg und Feiner sowie an die in Auschwitz ermordete Sinteza Henriette Klein verlegt werden.

Die Kenntnis der konkreten Sachverhalte bildet aber die Grundvoraussetzung für jede kritische Erinnerung.

Walter Rummel: „Regionen im Nationalsozialismus – Ein Forschungsbericht aus rheinland-pfälzischer Sicht“, in: Kißener, Michael (Hrsg.): Studien zu rheinhessischen Landgemeinden von der Weimarer Republik bis zum Ende der NS-Diktatur. Worms 2010. (Rheinhessische Wege in den Nationalsozialismus, Band 1), S. 58.

Interessierte können sich weiterhin via Mail melden.


Stolpersteine in Nackenheim: Erinnerung an Opfer des Nationalsozialismus

Im Rahmen des internationalen Kunstprojekts „Stolpersteine“ von Gunter Demnig wurden in den Jahren 2023 und 2024 insgesamt 19 Stolpersteine in Nackenheim verlegt – im Gedenken an im Nationalsozialismus ausgegrenzte, verfolgte und ermordete Personen wie Familien und als Zeichen des gemeinsamen Willens, ihre Geschichten nicht zu vergessen.

2023: Erinnerung an die Familien Heumann, Wolff und Sender

Im Mai 2023 wurden Stolpersteine für die Familien Heumann (Mainzer Straße 6), Wolff und Sender (Mainzer Straße 15-19) verlegt.

Fotos: (Ehemalige) Schülerin des Gymnasiums Nackenheim (Copyright)

2024: Gedenken an die Familien Feiner, Hirschberg und an Henriette Klein (geb. Laubinger)

Ein Jahr später, im September 2024, folgte die zweite Verlegung von Stolpersteinen für die Familie Feiner (Mainzer Straße 6), die Familie Hirschberg (Mainzer Straße 6) sowie für Henriette Klein (geb. Laubinger) in der Weinbergstraße 6.

Fotos: Ortsmuseum Nackenheim (Copyright)

Erinnerungskultur vor der Haustür

Die Stolpersteine in Nackenheim sind mehr als nur Gedenksteine – sie sind ein Teil der lokalen Erinnerungskultur. Sie erinnern daran, dass auch in Nackenheim Menschen lebten, die zur Zeit des Nationalsozialismus ausgegrenzt, verfolgt und ermordet wurden. Sie laden ein, innezuhalten, nachzudenken und sich mit der Geschichte vor Ort auseinanderzusetzen.

Die Verlegungen wurden von SchülerInnen des Gymnasiums Nackenheim, VertreterInnen der Kirchengemeinden sowie der Ortsgemeinde begleitet.

Für weitere Informationen, siehe Pressespiegel.

„Ein Stolperstein ist kein Stein, der stolpert – er ist ein Stein, der erinnert.“

— Gunter Demnig