Ein Beitrag von Schüler:innen der MSS11

Nackenheim, ein Dorf in der Nähe von Mainz, von dem es bisher wenig verschriftlichte Informationen aus dem Zweiten Weltkrieg gibt. Eine 1931 geborene Zeitzeugin, die zu dieser Zeit in Nackenheim lebte, hielt ihre Erinnerungen an die Kriegszeit im Erwachsenenalter fest. Diese Erinnerungen wurden uns freundlicher Weise für unsere Arbeit zur Verfügung gestellt. Aus dieser und weiteren Quellen konnten wir einiges über Nackenheim herausfinden.
1939 begann der 2. Weltkrieg, doch bis zum August 1941 war das Dorf Nackenheim noch kaum merkbar betroffen. Nach langen Vorbereitungen zerstörten die Luftminen mehrere Gebäude und schädigten fast alle Häuser, so berichtet die Zeitzeugin. Als Sicherheitsmaßnahme für die Brände hatte jeder Haushalt eine Kiste Sand und zwei Eimer voll mit Wasser bereitgestellt. In dieser Krisensituation wurden fast alle Männer als Soldaten eingezogen, um das Militär zu unterstützen.

Als Folge des nun ernsten Krieges wurden alle Lebensmittel und Güter in Nackenheim rationiert und man benötigte einen Bezugschein um sie abzuholen. Aufgrund von mehreren Bombenangriffen mussten viele Familien in Nackenheim ein Zimmer für jetzt Obdachlose frei räumen, um ihnen einen Unterschlupf zu bieten. Es galt ein Verbot, ausländische Radiosender anzuhören. Deshalb haben sich einige Familien eine Rastertafel gebaut.
Alle paar Wochen gingen Parteimitglieder der NSDAP mit Wäschekörben durch Nackenheim um Kleidung einzutauschen. Da alle Tiere angemeldet werden mussten, wurden regelmäßig Viehzählungen durchgeführt. Soldaten mit spezieller Ausbildung zum Sanitäter wurden für die Evakuierung bei Fliegeralarm eingesetzt. Einer der Luftschutzbunker in Nackenheim war der Gewölbekeller des Weingutes Usinger, hier fand jeder Schutz, der keinen eigenen geeigneten Keller hatte. „Ausländer“ waren jedoch von diesem Privileg ausgenommen, sie mussten in den Luftschutzkeller der Nackenheimer Schule.
Für „Ausländer“ herrschte außerdem eine Speerstunde ab 20 Uhr, bei Missachtung wurde man in Haft genommen. Dies geht aus der folgenden Quelle hervor.

Besonders aus Mainz und anderen größeren Städten flüchteten immer mehr Bürger nach Nackenheim und in andere Dörfer, da Städte extremst von Bombenangriffen betroffen waren. Auch französische und russische Kriegsgefangene wurden nach Nackenheim gebracht um Zwangsarbeit auf Feldern sowie in Weingütern zu verrichten.
Viele der zurückkehrenden Soldaten waren abgemagert und nicht arbeitsfähig. Diese mussten dann von den Nackenheimern gepflegt und versorgt werden, jedoch starben manche von ihnen recht früh. Aus Angst haben Familien ihre Wertsachen in ihren Gemäuern versteckt. Während dieser Zeit wurden vielen Familien Kriegsgefangene und Soldaten zugeteilt, damit sie sie pflegten. Als die amerikanische Armee immer näher rückte, wuchs die Angst der Bürger, sodass sie sich auf lange Nächte in Luftschutzbunkern vorbereiten. Am 21. März 1945 wurde heftig geschossen und Nackenheim wurde von den Amerikanern befreit. Als die Amerikaner im Juli 1945 abzogen, besetzten französische Truppen Nackenheim.
„Mainz ist auch von den Franzosen besetzt, in Nackenheim ist noch keiner, aber eine französische Militäreinheit wird irgendwann diese Woche erwartet, und alle haben schon Angst.“
Herbert Wolff am 30. Juli 1945 an seinen Bruder Helmut in New York,
zit. n. Wolff, Raymond, Graf, Martina; Graf, Hans-Dieter; Berkessel, Hans (Hrsg.): Schreie auf Papier. Oppenheim 2021.
Hier erkennt man das Titelblatt der Oppenheimer Landskrone, einer rheinhessischen Zeitung in der Ausgabe vom 01. September 1939 Hier ist ein Artikel „Feldpostsendungen“ aus der lokalen Zeitung „Oppenheimer Landskrone“ von Samstag, den 23. September 1939 zu erkennen. In dem Brief vom 2. Mai 1941 geht es um ein Antwortschreiben des Bürgermeisters an einen Trompetenkorps, die ein Militärkonzert halten wollen. (Quelle: LA Sp. Best. U199,1).
I. Einberufung von Cornelius Recht
In dem anonymen Schreiben wird ein Friseur dazu aufgefordert, zur Wehrmacht zu gehen. In Nackenheim gäbe es genug Friseure und er habe einen Sohn, der den Laden schon leite und hätte deswegen keinen Grund mehr, sich zu weigern zur Wehrmacht zu gehen. Des Weiteren wäre auch schon alle seine Altersgenossen in der Wehrmacht und auch Kunden von ihm.
II. Schreiben vom 17. Januar 1942
Der Bürgermeister Nackenheims antwortet dem Wehrmeldeamt. Die Angaben des anonymen Briefeschreibers werden zurückgewiesen.

(Quelle: LA Sp. Best. U199,1).
Quellen:
- LA Sp. Best. U199,1
- Private Erinnerungen einer 1930 geborenen Nackenheimerin, die sie im Erwachsenenalter verschriftlicht hat
- Oppenheimer Landskrone
- Wolff, Raymond, Graf, Martina; Graf, Hans-Dieter; Berkessel, Hans (Hrsg.): Schreie auf Papier. Oppenheim 2021.
Literaturhinweis:
- Baum, Werner: Nackenheim im Krieg von 1939 bis 1945 sowie während der Nachkriegszeit. Nackenheim 1998. (Die Ausgabe wurde vom Ortsmuseum komplett digitalisiert und steht auf der dortigen Website des Muxums zum Download zur Verfügung).